Im Rahmen der EKD-Konsultation „Co-Agency – Positionalität – Fachwissen“ am 16./17.03.2026 in Hannover haben die Mitglieder der RU-Kommission der AEED einen Workshop zum Thema „Theologisch-religionspädagogische Professionalität aus der Sicht der evangelischen Lehrer:innenverbände (AEED)“ angeboten. Im Vorfeld hat die RU-Kommission Wahrnehmungen und Beobachtungen von Lehrkräften, Studierenden und Lehrkräften im Vorbereitungsdienst zur Neufassung von EKD-Texte 96 („Die theologisch-religionspädagogische Professionalität evangelischer Religionslehrer:innen“) gesammelt. Insgesamt 39 ausgefüllte Fragebögen und sechs Schreibgespräche boten eine Fülle an Perspektiven aus allen drei Phasen der (Aus-)bildung von Religionslehrer:innen. Die Äußerungen in den Rückläufen wurden nach den Themen „Co-Agency“, „Verzahnung der Phasen“, „Interreligiosität“, „(eigene) Theologie“, „Spiritualität“ und „lebenslange Berufszufriedenheit“ sortiert und innerhalb dieser Themen nach Aspekten gegliedert und für eine Kommentierung und Diskussion im Workshop vorbereitet.
Zur angestrebten aktiven Mitgestaltung und Eigenverantwortlichkeit („Co-Agency“) in der Religionslehrer:innen-(Aus-)Bildung in allen drei Phasen zeigte die Umfrage bei den Verbänden eine gewisse Ratlosigkeit auf. Eigene Gestaltungsspielräume wurden vor allem in den ersten beiden Phasen als gering eingeschätzt und beschränken sich weitgehend auf Wahlmöglichkeiten von Veranstaltungen im Studium. Die dritte Phase (Fortbildung) wurde in den Stimmen nur am Rande berührt.
In der Diskussion im Workshop im Rahmen der Konsultation zeigte sich, dass auch die Lehrenden bei einer Implementierung von Co-Agency die eigene Rolle neu bestimmen müssen, bis hin zu der Befürchtung, dass auf diese Weise die Rolle der Lehrenden stark eingeschränkt wird und die Verantwortung für die Ausbildung in einem neoliberalen Verständnis zu den Studierenden hin verschoben würde und diese damit überfordert werden könnten. Die Teilnehmenden beobachten, dass die Studierenden aufgrund der Modularisierung des Studiums die Module oft wie schulischen Unterricht „abarbeiten“. Dies schafft Orientierung, schränkt aber Freiheit ein. Daraus ergibt sich die offene Frage, wo im Rahmen der gesamten (Aus-)bildung von Religionslehrer:innen Co-Agency angeleitet und eingeübt wird.
Die Verzahnung der drei Phasen wurde in den Rückmeldungen aus Fragebögen und Schreibgesprächen nur selten als gut, häufig aber als mittelmäßig oder fehlend eingeschätzt. Die Stimmen aus den Verbänden enthielten viele Äußerungen zum oft fehlenden Praxisbezug im Studium. Hierzu wurden nur wenige positive Beispiele genannt und viele Vorschläge zur Verbesserung gemacht. Diese reichten von punktuellen gemeinsamen Veranstaltungen mit Studierenden, Referendar:innen und Lehrkräften bis hin zum Wunsch nach einem dualen Studium mit integrierter praktischer Ausbildung. Auch ganz konkrete Anregungen wurden hier gemacht, z. B. die Fachbegriffe der Unterrichtsplanung in den drei Phasen einheitlich zu verwenden.
Bezüglich der Umsetzung auch kleiner Maßnahmen wie einem geregelten Austausch zwischen Universität und Praxis wurde im Workshop auf aktuell schwer lösbare Probleme hingewiesen: Unklar ist, wer bei einer solchen Zusammenarbeit die Initiative ergreift und Organisation sowie Kosten übernimmt. Die kirchlich getragene Lehrer:innen-Fortbildung steht zudem unter großem Finanzdruck. Auffällig war, dass das Referendariat im Workshop wenig in den Blick kam, was wohl auch daran lag, dass Verantwortliche aus der zweiten Phase auf der gesamten Konsultation kaum vertreten waren.
Der Akzent von EKD-Texte 96 (neu) auf Interreligiosität wurde in der Erhebung positiv aufgenommen und vor allem im Blick auf Unterrichtsthemen verstärkt. Über alle drei Phasen wird interreligiöse und interweltanschauliche Begegnung von den Verbänden als wichtig eingeschätzt. Betont wurde in den Stimmen ergänzend, dass die Vielfalt christlicher Ausprägungen (von charismatisch bis orthodox) beim dialogischen Lernen mitgedacht werden muss.
Die Teilnehmenden am Workshop beobachteten, dass in den verbandlichen Äußerungen interreligiöses Lernen vor allem als Thema angesprochen wird, worin sich ein stark religionskundlich geprägtes Verständnis zeigt. Hier wäre kritisch zu fragen, was dies für die Konzeption eines Religionsunterrichts bedeutet. Unklar bleibt in den Stimmen aus den Verbänden dabei, was das interreligiöse Lernen für die Beschäftigung mit dem „Eigenen“ bedeutet, das ja für viele Studierende auch schon „Fremdes“ ist.
Die Überlegungen zur lebenslangen Berufszufriedenheit waren das vierte Thema, das im Workshop bearbeitet werden konnte. In den Rückmeldungen aus den Verbänden standen dabei die Ressourcen im Mittelpunkt, die zur Bewältigung des Unterrichtsalltags als wichtig erfahren werden. Hier wurden vor allem die eigene Haltung (Offenheit, Erkennbarkeit, eigene Werte, Neugier), ein gutes Fachwissen einschließlich seiner Passung zu den Lebenswelten der Schüler:innen und die Fähigkeit, mit Vielfalt reflektiert umzugehen genannt.
Den Workshop-Teilnehmer:innen fiel auf, dass die fortlaufende Reflexion der eigenen Rolle als Religionslehrer:in weniger stark akzentuiert wurde, sondern die reflektierte Haltung als eine erworbene und dann als Ressource bestehende Fähigkeit beschrieben wurde. Die entscheidende Rolle für die lebenslange Berufszufriedenheit wurde im Workshop bei der dritten Phase gesehen, auch in Bezug auf die Weiterentwicklung der eigenen Spiritualität der Religionslehrer:innen. Zugleich wurde als Problem festgehalten, dass die dritte Phase von vielen Religionslehrer:innen nicht als essentiell wahrgenommen wird. Erschwerend kommt hinzu, dass die kirchlichen Unterstützungssysteme der dritten Phase aktuell vor großen finanziellen und personellen Herausforderungen stehen.
Die für die Diskussion aufbereiteten Stimmen zur Spiritualität und zur (eigenen) Theologie konnten im Rahmen des Workshops nur gestreift werden.
